Ratgeber Glossar – Schadstofflexikon

Formaldehyd

Formaldehyd ist ein seit langem bekannter Schadstoff in der Innenraumluft. Er gast zumeist aus Leimen aus, die für die Herstellung von Holzwerkstoffen wie z. B. Spanplatten in größeren Mengen verwendet werden. Durch Luftfeuchtigkeit wird er aus den Kunstharzen oder Klebstoffen im Möbel wieder freigesetzt. Dieser Prozess erstreckt sich über die gesamte Lebensdauer des Möbels. Formaldehyd wird für manche synthetischen Ausrüstungen bei Textilien verwendet, und auch in Nadelhölzern ist Formaldehyd in geringen Mengen enthalten. Es ist mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft worden, und kann schon in sehr geringen Mengen zu allergischen Reaktionen führen. Die manchmal alternativ zu Formaldehydharzen verwendeten Polyurethane bergen gleichfalls gesundheitliche Risiken, zählen die hierfür eingesetzten Isocyanate doch zu den stärksten Allergenen. Dies betrifft allerdings weniger das fertige Möbel, in dem sie in der Regel nicht mehr nachweisbar sind, als den Herstellungsprozess selbst.

Hausstauballergie

Hausstauballergie ist eine der am häufigsten diagnostizierten Allergien. Häufig raten Ärzte dann zum Verzicht auf alle natürlichen Materialien. Dabei besiedeln Hausstaubmilben fast alle Materialien, ob natürlich oder synthetisch. Ein natürlicher Weg zur Beseitigung des Problems ist ein altes Mittel aus der Naturheilkunde: der Samen des Neembaums. Produkte auf Neembasis für Matratzen und Bettwaren gibt es im ökologischen Einrichtungshandel.

Kontrolliert biologischer Anbau (kbA)

Beim kontrolliert biologischen Anbau wird im Gegensatz zum weit verbreiteten konventionellen Anbau auf den Einsatz von Pestiziden, chemischen Ernte-Entlaubungsmitteln und künstlichen Düngemitteln verzichtet. KbA ist ein geschützter Begriff, diese Anpflanzungen unterliegen strengen Kontrollen von anerkannten Zertifizierungsorganisationen. Besonders Baumwolle ist in den letzten Jahren verstärkt in kbA-Qualität erhältlich. Ökologische Bettwaren sind zumeist aus kbA Baumwolle gefertigt.

Lösemittel

Chemische Lösemittel werden für viele Möbellacke, -öle und -wachse verwendet. Die schwerflüchtigen Lösemittel können über einen längeren Zeitraum ausgasen und reichern sich u.U. in der Wohnumgebung an. Je nach Art und Konzentration können sie Schleimhautreizungen bis zu chronischen Gesundheits- und Erbgutschäden auslösen. Die manchmal als Alternative verwandten natürlichen Lösemittel (Terpene) sind nicht per se unschädlich. Sie kommen zwar auch in Nadelhölzern natürlicherweise vor, können aber bei zu hoher Konzentration allergische Reaktionen und Gesundheitsbeeinträchtigungen auslösen.

Magnetfeldanomalien

Metalle im Bett können das natürliche Erdmagnetfeld stören. Es gibt derzeit keine wissenschaftliche Untersuchung über die Gründe der negativen Auswirkungen von Magnetfeldanomalien, die nicht von anderen Untersuchungen wieder angezweifelt würde. Festgestellt wurde aber, dass diese Veränderungen bei manchen Menschen Schlafstörungen hervorrufen können. Eckverbindungen und Bettfüße stellen in der Regel keine Gefahr da, wenn sie aus nicht magnetisierbarem Metall, wie z. B. Edelstahl, sind.

Nachhaltige Forstwirtschaft/FSC

Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet, dass nur so viel Holz entnommen wird, wie auch nachwachsen kann und frei gewordene Flächen wieder zu bewalden sind. Nachhaltige Forstwirtschaft ist das Gegenteil von verantwortungslosem Raubbau. Die bekanntesten Siegel dafür sind das FSC (Forest Stewardship Council) und das Naturland-Siegel. Hier spielt im Gegensatz zu anderen Siegeln auch der größtmögliche Verzicht auf Pestizide in der Forstwirtschaft eine Rolle. Für Tropenhölzer sind beide Siegel mittlerweile bekannt, aber auch in Nordamerika, Kanada, Russland und Südamerika gab und gibt es z.T. noch immer Raubbau an den Wäldern.

Naturlatex

Latex wird aus der Milch des Kautschukbaumes gewonnen, die zentrifugiert, anschließend geschäumt und zu Platten „gebacken“ wird. Hierzu sind geringe Mengen Hilfsmittel notwendig, sonst bliebe die Kautschukmilch flüssig. Häufig ist Naturkautschuk jedoch mit synthetischem, aus Erdöl gewonnenem Latex vermischt. Der Begriff „Naturlatex“ ist kein geschützter Begriff und sagt nichts über das Mischungsverhältnis aus.

Pestizide

Pestizide sind stark gesundheitsbeeinträchtigende, vermutlich auch Krebs auslösende chemische Schädlingsbekämpfungsmittel. Sie finden sowohl beim Pflanzenanbau als auch bei der Tierzucht Verwendung. Pestizide lassen sich nur sehr bedingt aus dem Rohstoff wieder herauswaschen. Sie finden sich auch in Wollteppichböden, manchmal auch in Wolldecken, um Mottenfraß zu verhindern. Gegen Mottenfraß gibt es jedoch auch ungefährlichere pflanzliche Mittel (Neem).

Spanplatte

Die Spanplatte ist ein Holzwerkstoff, der im konventionellen Möbelbau für Schubladen, ganze Schrankwände, Polstermöbelgestelle u. a. benutzt wird. Aus ökologischen Gründen ist zwar nichts gegen diese Restholzverwendung einzuwenden, jedoch werden auch hier meist größere Mengen Leim benötigt, um die Späne zusammenzuhalten. Es gibt für Spanplatten eine gesetzliche Norm, d. h. ein Höchstmaß an Formaldehyd, das ausgasen darf (sog. E1-Platten). Diese Norm ist uns jedoch nicht streng genug.

Textil-Ausrüstungen

Es gibt eine Fülle von nachträglichen Ausrüstungen von Textilien. Sie dienen meist einem größeren Komfort (Waschbarkeit, Fleckunempfindlichkeit) oder der optimierten Klimaanpassung (sog. Komfort- oder Funktionsstoffe). Die Schädlichkeit oder Unbedenklichkeit solcher Ausrüstungen und die Problematik ihrer Entsorgung nach Gebrauch wird unterschiedlich eingeschätzt – ob sie wirklich notwendig sind, ist Anschauungssache. Zumeist hat die Natur mit Gemischen aus Baumwolle, Leinen, Ramie oder Schurwolle sehr gute Alternativen parat, z.B. für die Klimatisierung und die Scheuerfestigkeit von Textilien.

Tischlerplatte

Tischlerplatte ist ein sogenannter ‚Holzwerkstoff‘. Die Tischlerplatte besteht im Kern aus einer Platte aus verleimten Holzstäben (z. B. aus Fichte oder Kiefer), die oben und unten je eine dünne Deckschicht erhält. Für die Tischlerplatte werden größere Mengen Leim benötigt, daher kann, je nach Platte, die Belastung durch Formaldehyd im Leim oder durch die alternativ dazu verwandten Isocyanate zu groß werden. Es gibt aber auch Tischlerplatten, die unsere Normen einhalten.